Der Deutschherren-Orden und die Komturei Beckingen

 

Der Deutschherrenorden, auch Deutscher Orden oder Deutschritterorden genannt, entstand in der Zeit des III. Kreuzzuges um 1190. Hervorgegangen aus einem Spitalorden Bremer und Lübecker Bürger, erhält der Orden 1245 seine eigenen Regeln. Zum äußeren Zeichen des Deutschherrenritters wird der weiße Mantel mit dem schwarzen Balkenkreuz.

 

Die historischen Nachweise für den Deutschherrenorden in Beckingen reichen bis in das 13. Jahrhundert zurück. Erste und bedeutendste Grundlage für die Gründung der Komturei Beckingen war eine Schenkung der beiden Brüder Gerhard und Jakob von Beckingen vom 28.01.1293 an das Deutschherrenhaus in Trier. Die erste urkundliche Erwähnung eines Deutschen Hauses zu Beckingen geschieht im Jahre 1320. Die Komturei Beckingen gehörte zur Ballei Lothringen mit Sitz in Trier, umfasste das heutige Saarland, Teile der südlichen und östlichen Pfalz und vor allem weite Teile Lothringens. Die linksrheinisch gelegene Ballei Lothringen wurde im Norden durch die Kammerballei Koblenz, im Süden durch die Kammerballei Elsass-Burgund begrenzt.

In Beckingen hatte ein Komtur seinen Verwaltungssitz, der u.a. das Zehntenrecht sowie die Hohe Gerichtsbarkeit ausübte, in der er auch Todesurteile verhängen konnte. Noch heute erinnert die Gemarkung „Galgenberg“ in Beckingen an die grausame Art der Urteilsvollstreckung.

Die Komturei Beckingen verfügte über erheblichen Land- und Waldbesitz, der größtenteils an Bauern und kleine Gewerbetreibende, Händler und Handwerker verpachtet war. Daneben besaß der Orden aber auch zahlreiche Höfe, Mühlen, Weinberge, Wasserrechte und Untertanen. Von den Pacht- und Zinseinnahmen sowie von geleisteten Schenkungen und den pekuniären Zuwendungen der Landesfürsten konnten die Ordensritter ein durchaus komfortables und privilegiertes Leben führen.

 

Die Namen der Komturen Philipp Arnold von Ahr (1623 – 1634), Philipp Bernhard von Lontzen, genannt Roben (1636 – 1645) und Lothar Braun von Schmidtburg (1646 – 1687) sind eng mit der Komturei Beckingen verbunden. In die Amtszeit des Philipp Arnold von Ahr fällt auch der Bau der Marzellus-Kapelle (1634), die im Schlussstein über dem Eingangsportal das Wappen des Philipp Arnold von Ahr zeigt und Grundlage für das heutige Wappen der Gemeinde Beckingen ist.

Das Wappen zeigt rechts oben und links unten ein schwarzes Balkenkreuz in Silber (Deutschherrenkreuz), links oben und rechts unten in Schwarz ein fünfstrahliger goldener Stern, darüber zwei fünfblättrige goldene Rosen.

 

Über den Wohn- und Verwaltungssitz des Komturs in Beckingen gibt es zahlreiche Geschichten, in denen immer wieder das „Deutschherrenschloss“ eine zentrale Rolle spielt. Wie das Schloss ausgesehen hat, ist nicht überliefert. Bekannt ist allerdings der Standort und eine Zeichnung des Schlosses und des dazu gehörenden Areals aus dem Jahre 1773, die der damalige Geometer Coster angefertigt hat.

Demnach bestand das Schloss aus einem Hauptgebäude und zwei halbrunden Seitenflügeln, die sich nach vorne bis auf eine breite Einfahrt näherten. Zum Schloss gehörte auch eine Kapelle, der Ordensfriedhof, eine Schäferei, die Ordensmühle, das Zehntentor (heute noch erhalten) sowie Winzerhaus, Gärtner- und Kutscherhaus und einige größere Ökonomiegebäude. Erhalten geblieben ist auch der Brunnen aus dem Hof der Komturei, der die Jahreszahl 1731 trägt.

 

Noch heute finden sich in Beckingen „steinerne Zeugen“ für die Existenz der Komturei Beckingen, so den bereits erwähnten Schlussstein der Marzellus-Kapelle mit der Inschrift „P.A.V.A.L.D.B.L.T.O.R. 1634“ (Philipp Arnold von Ahr, Landkomtur der Ballei Lothringen, Teutsch Ordnens Ritter 1634).

Eine weitere eingemauerte Steintafel zeigt das Wappen des Komturs Philipp Bernhard von Lontzen, genannt Roben, mit der Inschrift beiderseits des Wappens:

PHILIPPVS BERHARDVS VON LONTZEN GENANNT ROBEN STATHALTER DER BALLEY LOTHRINGEN COMMENTHVR ZV TRIER VND BECKINGEN TEUTSCHEN ORDENSRITTER ANNO 1639.

Das Familienwappen des Nachfolgers von Philipp Bernhard von Lontzen, der Beckinger Komtur Lothar Braun von Schmidtburg, ziert heute noch den Giebel des Anwesens Tiné in der unteren Talstraße/Ecke Herrenbergstraße.

 

Zu einer wenig schmeichelhaften Beurteilung des persönlichen Lebenswandels der Beckinger Deutschherrenritter kommt Rüdiger Schmidt, wenn er feststellt: „Es wirkten nie mehr als zwei Landkomture hintereinander, denen keine Vorwürfe zu machen.“

Obwohl zu Keuschheit, Armut, Gehorsam und einem ritterlichen Lebenswandel verpflichtet, stellt Schmidt weiter fest:“ Entweder verschwendeten sie die Güter und Einkünfte und verschuldeten die Kommende oder waren einfach nicht fähig, mit den Schwierigkeiten fertig zu werden, führten sich Untergebenen wie Despoten auf und/oder ergaben sich dem Trunk oder ließen sich mit Mädchen und Frauen ein oder holten sich Verwandte ins Haus.“

 

Die Präsenz der Deutschherren in Beckingen endet faktisch mit der französischen Revolution.

In der Folge der Säkularisation 1792 fielen auch die Güter der Deutschherren an den französischen Staat. Zwar versuchten die Amtsträger der Kommende Beckingen mit Eingaben und Petitionen die drohende Beschlagnahmung ihrer Güter zu verhindern – ohne Erfolg.

Vom 18. Februar bis 5. März 1793 wurde der Ordensbesitz durch den Beauftragten des Distriktes Saarlouis beschlagnahmt und unter militärischer Aufsicht die Versteigerung der Kommende durchgeführt.

 

Damit endet nach 500 Jahren die Geschichte des Deutschen Ordens in Beckingen.

 

Quellen:

 

Niederkorn, Hermann:

„Die Geschichte von Beckingen“, herausgegeben aus Anlass des Heimatfestes des Kultur- und Heimatvereins Beckingen vom 6. – 8. Oktober 1951

Jakobs, Wolfgang:

„Die Geschichte der Gemeinde und Pfarrei und der Deutschherren-Komturei Beckingen“, Trier 1969

Henrich, Christiane u.a.:

„Beckingen im Wandel der Zeit“

Eine Darstellung der Geschichte und Gegenwart der Gemeinde Beckingen und ihrer Gemeindebezirke

hrsg. von der Gemeinde Beckingen, 1991

Schmidt, Rüdiger:

„Die Deutschordenskommenden Trier und Beckingen 1242 – 1794“

(Quellen und Studien zur Geschichte des Deutschen Ordens Bd. 9), Marburg 1979